Gewinnrealisierung bei Werkverträgen

Das Bundesministerium der Finanzen hat mit Schreiben vom 29.06.2015 entschieden, dass Gewinne im Zusammenhang mit Planungsleistungen von Architekten und Ingenieuren sowie allgemein mit Werkverträgen nach § 632a BGB bereits dann als steuerlich realisiert gelten, sobald der gesetzliche Anspruch auf eine Abschlagszahlung entsteht.
D.h. wurde eine Leistung erbracht, für die bereits Abschlagsrechnungen gestellt werden können, gilt der damit verbundene Gewinn als realisiert – jedoch nur für die Steuerbilanz, handelsrechtlich gilt dies nicht.
Begründet wird dies damit, dass die Abschlagszahlungen dem Leistenden „so gut wie sicher“ sind und eine Rückforderung dieser Zahlungen ausgeschlossen ist, wenn der Anspruch auf das Honorar nachgewiesen werden kann.

Während diese Regelung aufgrund eines BFH-Urteils (VIII-R-25/11) zunächst „nur“ für bilanzierende Ingenieure und Architekten galt, soll dies nach dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums für alle bilanzierenden Unternehmen gelten, die Abschlagszahlungen in Rechnung stellen.

Danach ergeben sich folgende Änderungen:

  •  Anzahlungen sind als gewinnerhöhende Forderungen zu erfassen und nicht wie Anzahlungen auf schwebende Geschäfte zu bilanzieren.
  • Lediglich Zahlungen auf noch nicht erbrachte Leistungen sind weiterhin als echte erhaltene Anzahlungen, gewinnneutral zu verbuchen.
  • Nur der im Handelsrecht noch nicht realisierte Gewinnanteil in Höhe von 75 wird letztendlich vorgezogen in das Jahr 01.

Diese Änderungen sind neben der Tatsache, dass notwendige „Abnahmen“ ignoriert werden, insbesondere mit Blick auf die Maßgeblichkeit der Handels- für die Steuerbilanz zu kritisieren. Denn handelsrechtlich hat diese Regelung keine Auswirkungen.

Dennoch sind diese Änderungen zunächst ab dem Wirtschaftsjahr 2015, mit der Möglichkeit eine Übergangsfrist in Anspruch zu nehmen, anzuwenden. Danach kann der durch diese Änderung vorgezogene Gewinn aus 2015 entweder auf die Jahre 2015 und 2016 oder 2015, 2016 und 2017 verteilt werden.

Dies gilt es bei der Erstellung des Jahresabschlusses, d.h. die Gewinnrealisierung aus den Abschlagszahlungen ist bei der Erstellung der Steuerbilanz zu berücksichtigen.

Wir werden die weitere Entwicklung in diesem Zusammenhang beobachten und Sie diesbezüglich informieren.

Ihr Ansprechpartner:

Silke Mihr
Dipl.-Kauffrau
Steuerberaterin

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