Künstlersozialabgaben

Die Beauftragung von freiberuflichen Künstlern (hierzu gehören z.B. auch Fotografen) löste bereits in der Vergangenheit wiederholt eine Pflicht zur Zahlung einer Sozialabgabe aus. Durch eine Gesetzesänderung, die seit dem Jahr 2015 gilt, rückt die korrekte Zahlung dieser Sozialabgabe nun in den Fokus der Betriebsprüfungen. Vorsicht ist zudem geboten, da bei Verstößen gegen die Meldepflicht Geldbußen von bis zu EUR 50.000 drohen.

Die Künstlersozialversicherung ist die gesetzliche Renten,- Kranken- und Pflegeversicherung für selbständige Künstler und Publizisten. Ähnlich wie ein Arbeitnehmer zahlen die Versicherten etwa die Hälfte der Beiträge selbst. Die andere Hälfte besteht aus einem Zuschuss des Bundes und der sogenannten Künstlersozialabgabe der Unternehmen, die Aufträge an diese Berufsgruppen vergeben und deren Leistungen in Anspruch nehmen und verwerten.

Mit dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) ist für jede Inanspruchnahme künstlerischer oder publizistischer Leistungen eine Sozialabgabe zu zahlen. Diese Sozialabgabe zahlt der Verwerter (sofern er Unternehmer ist), sie besteht aus 5,2 % auf die gezahlten Entgelte.

Grundsätzlich gehören alle Unternehmen, die durch ihre Organisation besondere Branchenkenntnisse oder durch spezielles Know-how den Absatz künstlerischer Leistungen am Markt fördern oder ermöglichen, zu den künstlersozialabgabepflichtigen Personen. Der Künstler muss dabei selbstständig sein, d.h. dieser ist nicht „abhängig“ als Arbeitnehmer beschäftigt, sondern auf freiberuflicher Basis tätig.

Mit Einführung des Gesetzes zur Stabilisierung des Künstlersozialabgabesatzes änderte der Gesetzgeber, welche Arbeitgeber nun wie häufig geprüft werden. Zukünftig sind Unternehmen, welche 19 Beschäftigte oder mehr aufweisen, mindestens alle 4 Jahre prüfungspflichtig. Ab 2015 wird die Deutsche Rentenversicherung daher ihre Prüftätigkeit im Verhältnis zur bisherigen Praxis massiv ausweiten sowie durch Information und Beratung der Arbeitgeber sicherstellen, dass alle Arbeitgeber regelmäßig mit der Künstlersozialabgabe befasst werden. An dieser Stelle sei bereits erwähnt, dass bei Bestandsprüfungen, durch die versäumte Meldepflichten aufgedeckte werden, Säumniszuschläge festgesetzt und erhoben werden.

Demnach sind Unternehmen für den Fall abgabepflichtig, dass die Summe der gezahlten Entgelte an einen selbstständigen Künstler regelmäßig erfolgt und im Zusammenhang mit der Nutzung Einnahmen erzielt werden sollen. Von einer Regelmäßigkeit ist seit 01. Januar 2015 auszugehen, wenn die Summe der in einem Jahr gezahlten Entgelte den Betrag von 450,00 Euro übersteigt (einzige Ausnahme: die Form der Verwertung ist nicht regelmäßig). Die Bagatellgrenze von 450,00 Euro gilt dabei nicht für jeden Einzelauftrag, sondern für die Gesamtheit aller Aufträge! Ferner besteht die Abgabepflicht immer für typische Verwerter, z.B. Theater oder Museen.

Wird also der freiberufliche Fotograf Y für ein einmaliges Foto-Shooting im Zusammenhang mit der Gestaltung einer neuen Website durch den Unternehmer X beauftragt, und beträgt die Rechnungssumme 500 €, ergeben sich folgende Verpflichtungen:

Es liegt also ein Auftrag durch einen Unternehmer, an einen freiberuflichen Künstler vor, dessen Leistung dauerhaft verwertet wird.

 

  • Der abgabepflichtige Unternehmer (X) hat die an den Fotografen (Y) gezahlten Entgelte spätestens bis zum 31. März des Folgejahres, unter Verwendung eines entsprechenden Meldebogens, der Künstlersozialkasse zu melden.
  • Um die Meldungen überprüfbar zu machen, ist X dazu verpflichtet, fortlaufende Aufzeichnungen über die für Künstler/Publizisten gezahlten abgabepflichtigen Entgelte zu führen.
  • Unterbleibt die Meldung abgabepflichtiger Sachverhalte vorsätzlich, so gilt eine 30-jährige Verjährungsfrist.

 

Abweichend würde sich keine Pflicht zur Künstlersozialabgabe ergeben, wenn der Rechnungsbetrag nur 300 € betrüge und dies die einzige in Anspruch genommene Leistung durch den Unternehmer X wäre.

Wird hingegen der freiberufliche Clown C für eine einmalige Firmenveranstaltung des Unternehmers X für 1.000 € gebucht, fällt keine Künstlersozialabgabe an, da die Verwertung durch den Unternehmer X hier lediglich einmalig erfolgt.

Fazit:

Jedes größere Unternehmen ist in der Praxis dazu verpflichtet, eine entsprechende Anmeldung abzugeben. Um empfindliche Bußgelder zu vermeiden und auch die Meldepflicht zu vereinfachen, sollte daher eine entsprechende Dokumentation im Unternehmen implementiert sein.

 

Ihr Ansprechpartner:

Michael Krug
Dipl.- Oec.
Wirtschaftsprüfer Steuerberater